Chronik  der  Nahwärme  in  Pfofeld

2012

Die Idee einer Nahwärmenutzugsmöglichkeit für unser wunderschönes Dorf Pfofeld im Herzen des fränkischen Seenlands entstand eigentlich – wie es bei großen Ideen häufig der Fall ist - recht unspektakulär aus dem Gedankenaustausch einer zunächst kleinen Gruppe, die im Jahr 2012 über die Möglichkeiten einer gemeinsamen Beheizung ihrer Wohn- und Geschäftsgebäude nachzusinnen begann.

 

2013

Als unser dem Projekt von Anfang an sehr positiv gegenüber stehender Bürgermeister Willi Renner von diesen Überlegungen erfuhr, fragte der prompt, weshalb man denn nicht einmal das gesamte Dorf im Hinblick auf bestehendes Interesse an einer möglichen zentralen Wärmeversorgung befrage.

Eine entsprechende Befragung wurde dann auch alsbald im Februar/März 2013 in Form von Fragebögen durchgeführt. Ab diesem Zeitpunkt war das Thema natürlich voll in der Dorfgemeinschaft angekommen und aus dem Dorfgespräch nicht mehr wegzudenken. Die Resonanz war von Anfang an sehr gut, so dass 123 ausgefüllte Fragebögen bei den Planern in Rücklauf kamen.

In Folge dieses großen Interesses seitens der Bürgerinnen und Bürger wurden Überlegungen für eine Netzgestaltung begonnen, die eine Versorgung der gesamten Ortschaft ermöglichen sollte, und es wurden neue Mitstreiter aus dem Kreis der Interessenten gewonnen. Auf Grundlage der mit den Fragebögen erhobenen Daten musste die notwendige Versorgungsleistung und der Wärmebedarf ermittelt, ein geeigneter Standort für ein zunächst geplantes Blockheizkraftwerk (BHKW) gesucht, eine Trassenführung für die Leitungen geplant und eine Struktur für die Wärmeversorgung aus der Verbrennung von Biogas und Hackschnitzel gefunden werden. Von Anfang an war es erklärtes Ziel die benötigte Energie komplett aus regenerativen Quellen zu generieren.

Im Laufe des Jahres gewannen die Planungen und auch die Organisation zunehmend an Form, so dass am 16.09.2013 erstmals eine Sitzung der laut Protokoll „bisher nicht in Form einer rechtsfähigen Person organisierten Gruppe Interessierter zur Errichtung und zum Betrieb eines Nahwärmenetzes in Pfofeld“ niedergeschrieben wurde. Auch rückte neben der Verwirklichung der Wärmeversorgung auch zunehmend die Breitbandversorgung in den Fokus.

Nach weiteren Planungsarbeiten, die auch die Besichtigung von anderen bereits bestehenden Nahwärmenetzen sowie Diskussionen mit deren Betreibern und Planern beinhalteten, kam es am 01.11.2013 schließlich zur Gründung einer Vorgesellschaft in Form einer Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR), der „Interessengemeinschaft Nahwärme Pfofeld GbR“. Ab diesem Zeitpunkt befasste sich erstmals eine handlungsfähige juristische Person des privaten Rechts mit der Errichtung des Nahwärmenetzes in Pfofeld.

Erster Punkt auf der Tagesordnung der eben gegründeten GbR war dann auch gleich noch in der Gründungsversammlung die Vorbereitung einer öffentlichen Informationsveranstaltung für alle an einem Nahwärmeanschluss Interessierten. Diese Veranstaltung fand am 15.11.2013 statt und mit abgegebenen Interessensbekundungen für 148 Anwesen bestätigte sich das große Interesse an dem Projekt.

 

2014

Nachdem nach einigen weiteren Sitzungen der Weg zur Gründung einer Genossenschaft bereitet schien, begann das Jahr 2014 mit einem herben Rückschlag. So gab es bei den Planern in der Sitzung am 29.01.2014 lange Gesichter, als bekannt gegeben wurde, dass die Rechtslage im Hinblick auf die finanzielle Förderung eines BHKW, das  von der bestehenden Biogasanlage getrennt wird, wie es geplant war, wegen einer anstehenden Neufassung des Gesetzes für den Ausbau erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz – EEG) nicht mehr sicher sei. Möglicherweise wäre ein solches Satelliten-BHKW künftig als Neuanlage und nicht mehr als Bestandsanlage zu behandeln gewesen, was eine deutlich niedrigere Förderung nach sich gezogen hätte.

Unsere Planer ließen sich von dieser Hiobsbotschaft aber nicht aus der Bahn werfen und verfolgten das erklärte Ziel, Nahwärme und Breitband für alle zu ermöglichen, weiter. Es wurden neue Berechnungen im Hinblick auf die Realisierung des Projektes mit der Verlegung einer Wärmeleitung von Gundelshalm nach Pfofeld anstatt der Umsetzung des vorhandenen BHKWs angestellt. Und siehe da: Bei einer ausreichenden Beteiligung und einem energetisch gut gelegenen Heizhaus rechnete sich auch diese Version gut.

Nachdem nun mehr als ein halbes Jahr ohne weitere Sitzungen, aber sehr wohl mit Planungen im Hintergrund, verstrichen war, nahm das Projekt im Sommer 2014 wieder Fahrt auf – und wie! Es wurden Arbeitsgruppen für die verschiedenen zu bearbeitenden Themengebiete gebildet, aus welchen die später  im Rahmen der Genossenschaft tätigen Arbeitskreise hervorgehen sollten: Technik, Bau, Brennstoffe, Schriften/Ämter, Steuerung/Breitband sowie Preise/Abrechnung.

 

2015

Nach vielen weiteren Vorbereitungen und der Durchführung einer weiteren öffentlichen Informationsveranstaltung am 09.01.2015 und der Einladung der Interessenten zu persönlichen Informationsgesprächen am 17.01.2015 war es dann endlich soweit:

Am 23. Januar 2015 haben sich mehr als 150 Interessenten zur Gründung der Genossenschaft „Nahwärme Pfofeld eG" im Gasthaus Kleemann in Pfofeld versammelt und unter sach- und fachkundiger Leitung des Ansprechpartners des Genossenschaftsverbandes Bayern e. V. mit dem Schwerpunkt Wärmelieferung, Herrn Max Riedl, die Gründung unserer Genossenschaft beschlossen und dieser  eine Satzung gegeben, in welcher unter anderem der Zweck und Gegenstand der Genossenschaft definiert wurden:

„Zweck der Genossenschaft ist die Förderung des Erwerbs und der Wirtschaft der Mitglieder durch die Versorgung mit preisgünstiger Heizwärme mittels gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebes.“

„Gegenstand des Unternehmens ist:

  • Die Errichtung und der Betrieb einer Nahwärmeversorgungsanlage in Pfofeld.
  • Die Errichtung und der Unterhalt eines Versorgungsnetzes für schnelle Internetnutzung
  • Der Handel mit Erzeugnissen, die dem Gegenstand der Genossenschaft dienlich und förderlich sind.“

Mit dem Ziel der Erreichung dieses Zweckes und Gegenstandes der Genossenschaft gewählt wurden in der Gründungsversammlung auch die Mitglieder des ersten Aufsichtsrates und der ersten Vorstandschaft der Genossenschaft:

Vorstandsvorsitzender                                            Marco Kleemann
stellvertretender Vorstandsvorsitzender                 Holger Müller

Vorstandsmitglied                                                   Gerhard Sauer

1. Aufsichtsratsvorsitzender                                   Bürgermeister Willi Renner
2. Aufsichtsratsvorsitzender                                   Roman Grochow
Aufsichtsrätin                                                          Tina Eisen

Aufsichtsrat                                                              Herbert Kraus
Aufsichtsrat                                                              Georg Goppelt
Aufsichtsrat                                                              Hermann Schneid jun. 

 

Nach weiteren Planungen und Vorbereitungen, wie Verhandlungen mit Anbietern für erforderliche Leistungen, Kalkulationen und Erstellung eines Leistungsverzeichnisses, konnte im Dezember schließlich die Ausschreibung der erforderlichen Bauarbeiten erfolgen.

Überschattet wurden die Planungen allerdings von einer Klage gegen die vom Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen erteilte Baugenehmigung für unser Heizhaus, als welches die ehemalige Raiffeisenlagerhalle in der Hauptstraße genutzt werden sollte.

 

2016

In der ersten ordentlichen Generalversammlung der Genossenschaft am 16. Februar beschlossen die Genossen, trotz der anhängigen Klage, einstimmig mit der Realisierung des Projektes im März zu beginnen.

Nach über drei Jahren der Planung war es dann am 01. April endlich soweit: Die ersten Baumaschinen rückten in der Römerstraße an und begannen mit den Arbeiten zur Errichtung des Wärmenetzes:

Mit der Eintragung in das Genossenschaftsregister des Registergerichts beim zuständigen Amtsgericht Ansbach am 11. April erhielt unsere Genossenschaft offiziell den Status einer eingetragenen Genossenschaft mit dem Namen „Nahwärme Pfofeld eG“ mit Sitz in Pfofeld und damit ihre volle Rechtsfähigkeit. 

Während die Bauarbeiten zügig voranschritten, kam es am 18. Mai zur öffentlichen Verhandlung der Klage vor dem Verwaltungsgericht Ansbach. In dieser gelang es unter den Augen von 25 mitgereisten Genossen einen Kompromiss zu finden, mit dem die Interessen aller Beteiligten gewahrt werden konnten und der daher auch die Zustimmung sowohl des Klägers, der Vertreter des Landratsamtes Weißenburg-Gunzenhausen, als auch des Vertreters der beigeladenen Nahwärme Pfofeld eG fand.

Nachdem damit auch die letzten Unklarheiten beseitigt waren, konnte mit vollem Einsatz weitergebaut werden. Neben der Verlegung der Wärme- und Glasfaserleitungen an mehreren Stellen im Dorf zur gleichen Zeit, nahm die Gemeinde auch die Erneuerung der Brücken über den Pfofelder Mühlbach in Angriff, so dass von den Bürgern der im Sommer 2016 häufig zu vernehmende Satz „Das ganze Dorf ist eine Baustelle!“ geprägt wurde. Parallel zu den für jeden sichtbaren Arbeiten in den Straßen und  auf den Grundstücken wurde auch der Umbau der ehemaligen Raiffeisenhalle in der Hauptstraße zum Heizhaus vorangetrieben und mit den erforderlichen Einrichtungen wie z. B. Pufferspeichern und Heizkesseln ausgestattet.

Dank des sehr großen Engagements der beteiligten Firmen sowie nicht zuletzt auch der tatkräftigen Unterstützung durch die Nahwärmegenossen konnte mit dem Sportheim in der Gundelshalmer Straße bereits am 27.10. das letzte Gebäude angeschlossen werden. Nur zwei Tage später konnten die Verlegearbeiten für das Glasfasernetz abgeschlossen und am 04.11. die letzte Muffe an der Verbindung zur Biogasanlage in Gundelshalm verpresst werden. Die Tiefbauarbeiten waren schließlich am 17.11. komplett erledigt.

Am 22.11. um 16 Uhr war es dann soweit: Der Netzabschnitt I wurde erstmal s mit Wärme aus der Biogasanlage in Gundelshalm versorgt. Bereits am 28.11. konnte dann der erste Hausanschluss fertiggestellt und somit der erste Haushalt mit Wärme über das neue Netz versorgt werden. Am 02.12. um 23 Uhr ging auch der Netzabschnitt II in Betrieb, so dass auch hier nun die Versorgung der Haushalte beginnen konnte. Hing die Wärmeversorgung zunächst allein von der Biogasanlage in Gundelshalm ab, änderte sich dies am 11.12. mit der Inbetriebnahme des großen Kessels der Hackschnitzelheizanlage im Heizhaus, der zusätzlich eine Leistung von 500 KW zur Verfügung stellen kann.

 

2017

Als vierter und letzter Energielieferant für das Netz wurde am 28.04.2017 die Zuleitung zum Blockheizkraftwerk in Rittern in betrieb genommen, so dass ab diesem Zeitpunkt zwei Biogasanlagen und zwei Öfen zur Verfeuerung von Hackschnitzeln die Versorgung der Genossen mit Wärme sicherstellten.

Um die Öfen mit Brennmaterial versorgen zu können, wurden von der Genossenschaft am 16.02.2017, sowie am 21. und 22.08.2017, entsprechende „Hackaktionen“ durchgeführt, in deren Rahmen Holz von Genossen gehäckselt und in die Lagerhalle der Genossenschaft verbracht wurde. Insgesamt waren im Jahr 2017 schließlich 126 Wärmeabnehmer am Netz, die es zu versorgen galt.

Auch konnte das mitverlegte Glasfasernetz bald seinen Betrieb aufnehmen, so dass der erste Kunde am 08.05.2017 über dieses online gehen und Breitbandversorgung auf dem neuesten Stand der Technik genießen konnte. Bis Ende des Jahres 2017 waren es bereits 158 User, die das neue Netz nutzten.

Schon seit Längerem beschäftigten sich auch die Bürger des Pfofelder Ortsteiles Thannhausen mit der Verwirklichung eines Glasfaseranschlusses für ihren Ort, da Thannhausen in diesem Bereich extrem unterversorgt war. Bisherige Lösungen über Funkanbieter bzw. über die großen Internetanbieter waren eher enttäuschend, die Verlegung eines eigenen Netzes erwies sich jedoch bereits in den Planungen als unwirtschaftlich. Daher waren die Thannhäuser an die Nahwärme Pfofeld eG herangetreten und es konnte auch mit dem Rückhalt des Pfofelder Bürgermeisters Willi Renner der Startschuss für die Planung eines Anschlusses an das Netz der Nahwärme Pfofeld eG erfolgen.

Im Rahmen des Projektes wurden durch die Nahwärme Pfofeld eG mit großer Unterstützung der Thannhäuser Bürgerinnen und Bürger sowie in Kooperation mit dem Internetprovider Inexio 1,7 km Glasfaserleitung vom vorhandenen Netz in Rittern zum Kabelverzweiger am alten Schulhaus (nun Dorfgemeinschaftshaus) in Thannhausen verlegt. Nach Baubeginn am 30.08.2017 erfolgte bereits am 02.12.2017 das Einblasen der Leitungen und der Anschluss konnte am 09.12.2017 fertig gestellt werden.

 

2018

Im Rahmen einer Testphase wurden Hotspots mit freiem WLAN in Pfofeld, Gundelshalm und Thannhausen am 05.02.2018 aktiviert.

Am 22.02.2018 konnte die Freischaltung des neuen Anschlusses des Pfofelder Ortsteiles Thannhausen durch den Provider Inexio erfolgen, so dass auch dieses Projekt schnell einen erfolgreichen Abschluss fand.

 

Stand: Mai 2018

 

 

 

 

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